Balkonverglasung Fetscherstraße

Wohnen zwischen Baumkronen

Wohn- und Geschäftshaus mit Laubengang-Verglasung

 

Ein genossenschaftlicher Wohnungsbau in der Fetscherstraße, der sich typologisch an der umliegenden 50er-Jahre Zeilenbebauung orientiert, ergänzt seit 2023 das Dresdner Stadtbild. Mit einer dezenten Faltung reagiert der Baukörper gekonnt auf sein Umfeld, und eine ungedämmte Glasfassade aus Schiebe-Dreh-Elementen schützt die Laubengänge mit hoher Aufenthaltsqualität vor Lärm und Schmutz.

Dresden hat bekanntermaßen eine bewegte Stadtgeschichte. Diese zeigt sich architektonisch nicht nur in der Altstadt mit der wiedererrichteten Semper-Oper, sondern auch an unauffälligeren Orten, an denen Bauten verschiedener Zeitepochen aufeinandertreffen. So auch in der Fetscherstraße, welche die Stadteile Johannstadt und Striesen voneinander trennt. Eine vierspurige, von Platanen gesäumte Hauptverkehrsstraße, die sich vom Großen Garten bis zur Elbe erstreckt. Dort dient sie als Hauptzufahrt für die Waldschlößchenbrücke.

Ergänzender Stadtbaustein

An der Kreuzung zur Blasewitzer Straße ergänzt seit 2023 ein neues Wohn- und Geschäftshaus die heterogene städtebauliche Struktur aus gründerzeitlicher Blockrandbebauung, Zeilenbauten aus DDR-Zeiten und freistehenden Punkthäusern mit Walmdach. Bauherr ist die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ), für Entwurf und Ausführung zeichnen Leinert Lorenz Architekten verantwortlich. 

Der siebengeschossige, von der Hauptstraße zurückgesetzte Neubau, schließt eine bestehende Blockrandbebauung in Richtung Fetscherstraße, die aus drei Gebäuden entlang der Dürer-, Kreuzer- und Blasewitzer Straße besteht – allesamt sanierte und teilweise aufgestockte Wohnhäuser der WGJ. Als genossenschaftlich verwaltetes Ensemble rahmen sie einen großzügigen ruhigen Innenhof mit Spielplatz und Grünfläche ein. Auf sein Umfeld reagiert das Gebäude auf verschiedene Arten: Die Gewerbeflächen im Sockel beleben den Stadtraum und stellen eine Verbindung zum aufgewerteten Innenhof mit Café her. Eine leichte Faltung der Fassade entlang der Fetscherstraße rhythmisiert den langgestreckten Baukörper und gibt den straßenbegleitenden Platanen genügend Raum zur Entfaltung. „Das Projekt war von Beginn an als Bereicherung des Stadtquartiers durch Form, Funktion und architektonische Umsetzung konzipiert“, erläutert Dirk Lorenz aus Sicht des Architekturbüros den Entwurf.

Wohnraum mit Freiflächen

Neben den Gewerbeflächen im Erdgeschoss, entstanden in den darüberliegenden Etagen auf 770 Quadratmetern 37 Mietwohnungen – aufgeteilt auf 20 Zweizimmer-, 17 Dreizimmer- und zwei Vierzimmerwohnungen, die jeweils über eine Loggia oder eine Dachterrasse verfügen. Alle Wohnräume und Loggien sind zur Hofseite angeordnet, abgewandt von den Lärm- und Feinstaubbelastungen. Vor den straßenseitigen Küchen und Bädern befinden sich großzügige Laubengänge, die mit raumhohen, beweglichen Verglasungen geschlossen sind. Die Laubengänge dienen sowohl als Erschließungszone als auch als Schallpuffer und zusätzlicher Außenbereich für die Bewohnerschaft.

Transparenter Schall- und Witterungsschutz

Die ungedämmte Glasfassade folgt geschoss- und abschnittsweise der Faltung des Gebäudes über fünf Obergeschosse und der gesamten Gebäudebreite. Sie sorgt – neben den Lichtschächten – für ausreichende Belichtung der 1,4 bis drei Meter tiefen Laubengänge. Dazu verleiht sie dem Baukörper durch ihre Transparenz Leichtigkeit.

Die Glasfassade besteht aus dem transparenten Schiebe-Dreh-System Proline T von Solarlux, dessen Elemente sich nicht nur an die geschwungene Fassadenform anpassen, sondern auch transparente Ecken ausbilden und die Laubengänge an den Gebäudestirnseiten abschließen.

Leben zwischen Baumkronen

Die einzelnen Elemente lassen sich abschnittsweise öffnen und an den Gebäudestützen als schmale unauffällige Glaspakete parken. Dafür sind sie oben in Führungsschienen eingehängt, wodurch die Elemente um 90 Grad herausgedreht und auf die Seite geschoben werden können. Dies erleichtert nicht nur maßgeblich ihre Reinigung, sondern hebt bei Bedarf die Grenze zwischen innen und außen vollständig auf. Und da die Scheiben lediglich oben und unten von dezenten Aluminiumprofilen gefasst sind und ohne senkrechte Profile auskommen, fühlt man sich vor allem in den oberen Geschossen unmittelbar vom Grün der Baumkronen umgeben – ohne vom Straßenlärm gestört zu werden.

Die vor der Verglasung montierten Brüstungselemente aus Streckmetall dienen nicht nur als Absturzsicherung, sondern unterstreichen die horizontale Gliederung der Fassade.

Gewährleistete Luftzirkulation

Sind die Verglasungen geschlossen, sorgen der natürliche Luftzug durch Fugen und integrierte Spaltlüfter für die notwendige Luftzirkulation und angenehme Temperaturen. Im ersten Obergeschoss lässt sich die Belüftung zusätzlich durch in die Fassade integrierte Kippelemente steuern, die auch als Rauchklappen für die verschiedenen Brandabschnitte dienen.

Entwicklung zum urbanen Bindeglied

Alle 37 Wohnungen waren gleich nach der Fertigstellung bewohnt. Der neu gestaltete Hof mit zahlreichen Bäumen und einem einladenden Spielplatz lädt dank seiner ruhigen, vor Straßenlärm geschützten Lage zum Verweilen ein. Mit weiteren öffentlichen Angeboten wie einem Café hat das Haus und die angrenzenden Quartiere eine weitere Aufwertung erfahren, berichten die Architekten und ergänzen: „So fügt das Gebäude auf dem architektonischen Zeitstrahl der Fetscherstraße einen neuen Punkt hinzu, der sich über gemeinschaftlich nutzbare Orte zu einem urbanen Bindeglied entwickeln wird.“

Medien

Wohnen zwischen Baumkronen

Fotos: Till Schuster

Fetscherstraße
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