Wohnen zwischen Vergangenheit und Baumwipfeln

Reihenhäuser von MVRDV auf dem Buitenplaats Koningsweg bei Arnheim

 

Die Niederlande gelten seit Langem als Vorreiter für offene und nachhaltige Wohnkonzepte. Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel stammt vom Rotterdamer Architekturbüro MVRDV – bekannt für seine oft radikalen und experimentellen Entwürfe – mit einem Projekt nahe Arnheim. Inmitten eines Waldgebiets entstanden drei Reihenhauszeilen, die weit mehr sind als bloßer Wohnraum. Sie sind Teil eines außergewöhnlichen Entwicklungskonzepts, das ein Areal mit wechselvoller Geschichte neu interpretiert: Zwischen 2010 und 2024 entstand auf einem ehemaligen Militärgelände das kreative Wohn- und Kulturquartier Buitenplaats Koningsweg.

Wie lässt sich Geschichte baulich bewahren – und zugleich Raum für Neues schaffen? Auf dem Gelände eines ehemaligen deutschen Militärstützpunktes nahe Arnheim gelingt genau das: MVRDV entwickelte gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturbüro Buro Harro und dem Projektentwickler KondorWessels Projecten einen Masterplan, der die unterschiedlichen Zeitepochen des Ortes behutsam lebendig hält. Zerstörte Militärgebäude wurden in ihren ursprünglichen Proportionen rekonstruiert – erkennbar an hellgrauen Fassaden und Dächern. Bestehende Häuser blieben erhalten, Eingriffe wie neue Fenster oder Türen wurden in dunkleren Farbtönen kenntlich gemacht.
„Die klare Abgrenzung zwischen alten, neuen und rekonstruierten Elementen sowie unerwartete Details – wie die meterdicken Bunkerwände – helfen dabei, die Geschichte des Ortes intuitiv erfahrbar zu machen“, erklärt MVRDV-Mitgründerin Nathalie de Vries.

In der finalen Phase dieser Transformation entstanden drei identische Reihenhauszeilen mit markanten, steilen Satteldächern – exakt an den geschützten Positionen im Wald, an denen einst als einfache Bauernhäuser getarnte Kasernengebäude standen. Sie sind elf Meter tief und bestehen jeweils aus sieben Wohneinheiten mit fünf bis sechs Metern Breite. Die hellgrauen Schieferfassaden und -dächer weisen sie als wiederbelebte Gebäudestrukturen der Vergangenheit aus.

Flexible Typologien, naturnahes Wohnen

Für die Reihenhäuser entwarf MVRDV variable Grundrisskonfigurationen, die sich an individuellen Wohnwünschen orientieren. Die zukünftigen Eigentümer*innen konnten bereits in der Planungsphase zwischen einem Split-Level-Reihenhaus, einem Reihenhaus mit Luftraum über zwei Geschosse oder einem Reihenhaus mit drei separaten Wohnetagen wählen. Die Grundrissaufteilungen orientieren sich dabei einem vorgegebenem Raster, innerhalb dessen Fenster, Türen, Dachflächenfenster und Solarpaneele frei platziert werden konnten – was zu einer lebendigen Fassadengestaltung führte.

Um der Natur um die Häuser so viel Raum wie möglich zu geben, wurden versiegelte Flächen aufgebrochen, Zäune entfernt und schmale Stege als „Waldwege“ angelegt. Auch der Verzicht auf private Gärten unterstreicht das naturnahe Konzept. Die Häuser ruhen auf Sockeln, die das abschüssige Gelände aufnehmen – so scheinen einige der Terrassen, wie kleine Tierbeobachtungsstationen, über dem Waldboden zu schweben. Große Glas-Faltwände sorgen dafür, dass die umgebende Landschaft selbst im Innenraum allgegenwärtig bleibt.

Mehr Licht, mehr Weite: Glas-Faltwände für offene Wohnkonzepte

Jedes Reihenhaus verfügt über eine bis zu 2,70 Meter hohe, barrierefreie Glas-Faltwand des Systems Woodline von Solarlux. Ihre vier oder fünf Glaselemente, je nach Wunsch der Eigentümer*innen, lassen sich vollständig nach außen öffnen, sodass sie zusammengefaltet und als schmale Glaspakete seitlich geparkt, keinen Wohnraum einnehmen. Sie zeichnen sich durch ihr filigranes Design mit homogenen Oberflächen aus, da die Technik weitgehend unsichtbar bleibt. Schrauben und Bänder sind auf ein Minimum reduziert oder verdeckt integriert, sodass Ästhetik und Design im Vordergrund stehen.

Geöffnet ermöglichen sie nahtlose Übergänge zur Natur, die den Wohnraum optisch vergrößern. Bei den fünfteiligen Varianten dient das mittlere Faltelement als Drehflügel, sodass ein separater Ausgang zur Terrasse besteht.

Passend zum nachhaltigen Konzept des Wohnprojekts sind die Woodline Glas-Faltwände aus mehrfach schichtverleimten, nachhaltig zertifizierten Meranti-Holzkanteln gefertigt und fügen sich so nahtlos in die Holzrahmenbauweise der Gebäude ein. Die deckende Farbbeschichtung in seidenglänzendem Basaltgrau entspricht dem Farbkonzept der rekonstruierten Militärgebäude. Zudem erfüllen die Faltwände die Widerstandsklasse RC2 nach DIN EN 1627 und bieten damit hohen Einbruchschutz.

Energieeffizienz im Fokus

Das Wohnprojekt Buitenplaats Koningsweg folgt einem ganzheitlich nachhaltigen Ansatz. Die Gebäude bestehen aus Holzrahmenkonstruktionen, Beton mit recycelten Zusatzstoffen und Terrassenbelägen aus wiederverwendetem Kunststoff. Sonnenkollektoren auf den Dächern und ein hoher Dämmstandard ermöglichen den mittleren Reihenhäusern einen energieneutralen Betrieb, während die Eckhäuser annähernd energieautark funktionieren. Tiefgaragen unter den Gebäuden vermeiden weitere Eingriffe in den Wald und bieten Ladepunkte für E-Mobilität sowie Fahrradabstellplätze.

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Wohnen zwischen Vergangenheit und Baumwipfeln

Fotos: Daria Scagliola

Buitenplaats Koningsweg
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