Zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Reihenhäuser im Wald

Transformation eines ehemaligen Militärstützpunktes von MVRDV

 

Wie kann ein ehemaliges Militärgelände zeitgemäß genutzt werden, ohne sein historisches Erbe zu verdrängen? Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist die schrittweise Transformation eines deutschen Militärstützpunkts aus dem Zweiten Weltkrieg nahe Arnheim in den Niederlanden. Seit 2010 wird das Areal, das an das Naturschutzgebiet De Veluwe grenzt, im Rahmen eines Masterplans in ein kreatives Wohn- und Kulturquartier umgewandelt. Das heutige Buitenplaats Koningsweg verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf vielfältige Weise. So nehmen beispielsweise drei Reihenhausblöcke, eingebettet in den dichten Veluwe-Wald, Lage, Form und Proportionen abgerissener Militärgebäude auf. Dadurch bleibt der historische Kontext ablesbar, dennoch schlagen sie durch ihre nachhaltige und moderne Bauweise eine Brücke in die Gegenwart.

Die Bunker, Hangars und Kasernen des ehemaligen Fliegerhorst Deelen am Koningsweg wurden einst von den deutschen Besatzern als einfache Bauernhäuser getarnt. Nach Kriegsende gingen sie in den Besitz der niederländischen Streitkräfte über und wurden mehrfach umgebaut. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhielten die noch bestehenden Bauten den Status eines Nationaldenkmals und wurden in die niederländische Denkmalliste aufgenommen.

Mit viel Fingerspitzengefühl entwickelten das Rotterdamer Architekturbüro MVRDV, das Landschaftsarchitekturbüro Buro Harro und der Projektentwickler KondorWessels Projecten einen Masterplan, der die unterschiedlichen Zeitepochen des Ortes behutsam lebendig hält, ohne sie durch moderne Nutzungen zu überlagern. Verlorengegangene Gebäudestrukturen wurden an gleicher Stelle in ihren ursprünglichen Konturen und Volumen wiederhergestellt, wobei hellgraue Oberflächen sie als Neubauten kennzeichnen. Bei den erhalten gebliebenen Häusern wurden bauliche Eingriffe wie neue Türen und Fenster in dunklen Grautönen akzentuiert, um die Veränderungen klar hervorzuheben. „Die klare Abgrenzung zwischen alten, neuen und rekonstruierten Elementen sowie unerwartete Details – wie die meterdicken Bunkerwände der historischen Gebäude – helfen dabei, die Geschichte des Ortes intuitiv erfahrbar zu machen“ erläutert MVRDV-Mitbegründerin Nathalie de Vries das Konzept.

Wiederbelebte Strukturen im Wald

Dieser Ansatz wurde auch bei den drei identischen, in nachhaltiger Bauweise errichteten Reihenhausblöcken verfolgt, die in der letzten Phase der 16-jährigen Konversion realisiert wurden. Inmitten eines Buchenwaldes platziert, stehen sie mit großzügigem Abstand zueinander an denselben, vor Blicken geschützten Stellen wie einst die Kasernen der deutschen Wehrmacht. Die einzelnen Blöcke mit ihren steilen Satteldächern sind rund elf Meter tief und bestehen jeweils aus sieben Reihenhäusern mit einer Breite von fünf bis sechs Metern. Ihre hellgrauen Schieferfassaden und -dächer machen sie erkennbar als rekonstruierte Militärstrukturen.

Um der Natur rund um die Neubauten von MVRDV mehr Raum zu geben, wurden versiegelte Flächen großflächig aufgebrochen, Zäune entfernt und schmale Stege als „Waldwege“ zu den Häusern angelegt. Diese Naturverbundenheit wird zusätzlich durch den Verzicht auf private Gärten unterstrichen. Die Häuser inklusive kleiner auskragender Terrassen ruhen auf Sockeln, die durch das leicht abschüssige Gelände bis zu einem Meter hoch sind. So scheinen einige der Außenbereiche – wie Tierbeobachtungsstationen – über dem Waldboden zu schweben.

Flexible Grundrisse für modernes Wohnen

Das Architekturbüro MVRDV entwickelte für die Reihenhäuser variable Grundrisstypen, die modernen Wohnbedürfnissen entsprechen. Die zukünftige Bewohnerschaft konnte zwischen einem Split-Level-Reihenhaus, einem Reihenhaus mit Luftraum oder einem Reihenhaus mit drei Vollgeschossen wählen. Als Mehrwert trägt es zu einer lebendigen Fassadengestaltung bei, da Fenster, Türen, Dachfenster und Solarpaneele innerhalb des vorgegebenen Rasters individuell in die Gebäudehülle integriert wurden. Insbesondere durch große Glas-Faltwände ist die umgebende Naturlandschaft auch in den Gebäuden allgegenwärtig.

Mehr Licht, mehr Weite: Glas-Faltwände für offene Wohnkonzepte

Jedes Reihenhaus verfügt über bis zu 2,70 Meter hohe, barrierefreie Glas-Faltwände des Systems Woodline von Solarlux, die sich nach außen öffnen. Diese zeichnen sich durch ihr filigranes Design mit homogenen Oberflächen aus, da die Technik weitgehend unsichtbar bleibt. Schrauben und Bänder sind auf ein Minimum reduziert oder verdeckt integriert, sodass Ästhetik und Design im Vordergrund stehen.

In den niederländischen Reihenhausblöcken bestehen die Faltwände aus vier oder fünf Elementen. Geöffnet und seitlich geparkt ermöglichen sie nahtlose Fassadenöffnungen von bis zu fünf Metern Breite. Bei den fünfteiligen Varianten dient das mittlere Faltelement als Drehflügel und separater Ausgang zur Terrasse.

Passend zum nachhaltigen Konzept des Wohnprojekts sind die Bauelemente aus mehrfach schichtverleimten, nachhaltig zertifizierten Meranti-Holzkanteln gefertigt und fügen sich nahtlos in die Holzrahmenbauweise der Gebäude ein. Die deckende Farbbeschichtung in seidenglänzendem Basaltgrau entspricht dem Farbkonzept der rekonstruierten Militärgebäude. Zudem erfüllen die Faltwände die Widerstandsklasse RC2 nach DIN EN 1627 und bieten damit hohen Einbruchschutz.

Energieeffiziente Häuser und „Follies“ im Buchenwald

Bei der Entwicklung des Buitenplaats Koningsweg standen Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz im Mittelpunkt der Projektplanung. Die Gebäude bestehen aus Holzrahmenbauweise, Beton mit recycelten Zusatzstoffen und Terrassenbelägen aus wiederverwendetem Kunststoff. Sonnenkollektoren in den Dächern und ein hoher Dämmstandard ermöglichen den mittleren Reihenhäusern einen energieneutralen Betrieb und den Eckhäusern einen nahezu energieneutralen Betrieb. Die Tiefgaragen vermeiden weitere Eingriffe in den Wald und sind mit Ladestationen für E-Mobilität sowie Fahrradabstellplätzen ausgestattet.

Neben der Rekonstruktion und Transformation ehemaliger Militärgebäude bietet Buitenplaats Koningsweg weitere architektonische Highlights, die „Follies“. Diese kleinen und skurrilen Ferienhäuser, entworfen von unterschiedlichen Architekturbüros im Rahmen eines Wettbewerbs, folgen dem Leitmotiv "Verstecken und Tarnen" – inspiriert von den während des Zweiten Weltkriegs als Bauernhäuser getarnten Militärgebäuden.

Medien

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Reihenhäuser im Wald

Fotos: Daria Scagliola

Buitenplaats Koningsweg
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Copyright: Solarlux GmbH
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