Alter Hof in neuem Glanz

Alter Hof in neuem Glanz

Ungewöhnlich: Vielleicht das erste Wort, das in den Sinn kommt, wenn man sich das Haus von Familie van der Meer ansieht. In viel Eigenarbeit hat sie einen dunklen, ehemaligen Bauernhof in ein helles, offenes, freundliches Zuhause verwandelt. Mithilfe einiger baulicher Kniffe.

Es war in keinem guten Zustand, das 1860 erbaute Bauernhaus am Rande einer Kleinstadt in der niederländischen Region Dren-te. Oft hatte es zuletzt den Besitzer gewechselt. „Da ist über die Jahrzehnte hinweg immer wieder etwas gemacht worden – aber meistens nur sehr halbherzig. Wir haben uns gesagt: Wir machen es nun richtig!“, erzählt Jeroen van der Meer. 32 Meter lang ist das neue Eigenheim seiner Familie, und 15 Meter breit. Viel Platz – aber eben auch: viel Arbeit, die es zu stemmen galt. 

Wer heute vor dem Bauernhaus steht, dem fällt zunächst das ungewöhnliche Dach auf. Der obere Bereich ist größtenteils mit Reet gedeckt, während unten robuste Dachziegel zu sehen sind. Es wirkt ein bisschen so, als trage das Dach einen Hut. Bauherrin Mirjam van der Meer erläutert, was dahinter steckt: „Wir wollten damit den Charakter des Hauses bewahren.“ Damals nämlich waren in der Region Dachziegel ein teures Luxusgut, weswegen Bauern bei Bau ihrer Höfe zumindest in den oberen Bereichen des Dachs auf das günstigere Reet zurückgriffen. Nur unten wurde mit Ziegeln gedeckt, weil die Feuchtigkeit, die sich im Stroh sammeln konnte, nicht gut für die Nutztiere war. Mit Ziegeln blieb der Stall trockener. 


 

Historische Bauweise und moderner Wohnkomfort

In seiner ursprünglichen Form war das Haus eher dunkel – nur wenig Tageslicht gelangte durch die kleinen Fenster ins Innere. Gelöst wurde dies vor allem mit einer großzügigen Verglasung: Im Wohn- und Essbereich sind die alten Backsteinmauern von bodentiefen Fenstern durchbrochen. Besonders auffällig ist auf der Gartenseite eine Nische im Haus. Früher gab es sie nicht – der Bereich war Teil des Gebäudes. Der Architekt entfernte an dieser Stelle das Dach; links und rechts trennen jetzt hölzerne Wände den Bereich. Die dadurch entstandene „Lücke“ in der Fassade ist nun eine Terrasse – mit einer lamellenartigen Teilü-berdachung und einer Verglasung als Wetterschutz. 

Vom Wohnraum abgegrenzt ist der Bereich mit einer Glas-Faltwand von Solarlux – das Familienunternehmen aus Melle ist spezialisiert auf gläserne Fassadenlösungen. „Unser Architekt kannte den Hersteller und konnte ihn empfehlen, und das Konzept der großen Öffnung gefiel uns auf Anhieb sehr gut“, sagt die Bauherrin im Rückblick. Die innere Längsseite und eine der beiden Querseiten des Bereichs sind je mit einer solchen Glas-Faltwand ausgestattet. Eine Besonderheit ist hierbei der wegfaltbare Eckpfosten: Die Glas-Faltwände sind stützenlos über Eck zu öffnen. Die Laufschiene ist zudem in den Boden eingelassen, wodurch ein schwellenloser Übergang zur überdachten Terrasse entsteht. Darüber hinaus bieten die Glas-Faltwände eine sehr gute Dämmung. Das war dem Paar wichtig – auf eine energetisch sinnvolle Bauweise legte es von Anfang an viel Wert. 

Nach zwei Jahren harter Arbeit ist die Sanierung nun abgeschlossen. Der alte Bauernhof ist noch als solcher wiederzuerkennen, und doch ist er ein neues Gebäude: Er verbindet historische Elemente mit modernem Wohnkomfort – und ist so zu einem einmaligen Zuhause geworden. 

Alter Hof im neuen Glanz