Der Gewerbebau in Kaufbeuren zeigt, dass sich Wirtschaftlichkeit und hohe architektonische Qualität nicht ausschließen müssen.
Das Prinzip der klimaregulierenden Doppelfassade „Co₂mfort“ wurde bereits 2010 für die Niederlassung in Nijverdal entwickelt und stellt seitdem die einwandfreie Funktionsweise unter Beweis.
Die neue „Erlebniswelt“ des Allgäuer Bauelementehändlers Linara in Kaufbeuren, einer 100-prozentigen Tochter der Solarlux-Gruppe, setzt eine Reihe architektonisch hochwertiger Industriebauten der Unternehmensgruppe fort. Nach einem Verwaltungsgebäude für die niederländische Niederlassung in Nijverdal im Jahr 2010, dem Neubau der Schweizer Tochtergesellschaft im Jahr 2012 und der Solarlux-Firmenzentrale im niedersächsischen Melle im Jahr 2016 ist dies bereits der vierte Neubau, der konsequent unter nachhaltigen Gesichtspunkten realisiert wurde.
Wie bei den bisherigen Standorten sollte auch dieser einen wesentlichen Baustein der Unternehmensphilosophie widerspiegeln: Transparenz und Offenheit nach außen, verbunden mit ressourcenschonender Bauweise und optimalen Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden.
Die erreichte architektonische Qualität, die die Kombination aus ökologischer Verantwortung und gelebter Unternehmensphilosophie perfekt widerspiegelt, erregte nicht nur nationales Aufsehen, sondern wurde bereits mehrfach mit nternationalen Architekturrpreisen ausgezeichnet. Das Unternehmensgebäude der Linara Kaufbeuren wurde bisher ausgezeichent mit dem:
Hinzu kommt das Konzept des „Bildenden Bauens“. Dahinter verbirgt sich die Idee, alle technischen und ökologischen Zusammenhänge durch leicht verständliche Informationstafeln für Gäste und Belegschaft sichtbar zu machen. Denn Geothermie geschieht ebenso im Verborgenen wie die thermische Betonkernaktivierung oder die Lowtech-Funktion einer Doppelfassade zur natürlichen Klimatisierung.
Der langgestreckte Baukörper folgt dem natürlichen Geländeverlauf und fügt sich so in die Landschaft ein.
Ökologische Verantwortung zu übernehmen, fängt bei der Freiraumplanung an – keine Selbstverständlichkeit bei Industriebauten in stadtnahen Gewerbegebieten, wo in der Regel Produktivitätssteigerung, effiziente Grundstücksnutzung und möglichst niedrige Baukosten im Vordergrund stehen. In Kaufbeuren beim Bauelementehändler Linara wurde ein anderer Weg beschritten: Der langgestreckte Baukörper, bestehend aus drei klar ablesbaren Gebäudeteilen für Ausstellung mit Büroflächen, Logistikhalle und Werkstatt, die sich um ein zentrales Treppenhaus gruppieren, folgt dem vorhandenen Geländeverlauf und fügt sich so sanft in die Landschaft ein.
Als wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt wurden alle Freiflächen, die nicht unmittelbar für den Betriebsablauf benötigt werden, als insektenfreundliche Heuwiesen angelegt. Denn diese fallen auch im Allgäu zunehmend der intensiven Landwirtschaft und der fortschreitenden Flächenversiegelung zum Opfer. Die Ansiedlung von Bienenvölkern ist geplant. Rund 500 Quadratmeter Dachbegrünung tun ein Übriges.
Je nach Sonnenstand rhythmisieren die PV-Module die Gebäudehülle oder erwecken den Eindruck einer ebenen, homogenen Fläche.
Für Architekt Dr. Peter Kuczia war die optimale Wirkung der PV-Module ausschlaggebend für den Entwurfsprozess, die durch die Längsausrichtung des Gebäudes von Norden nach Süden erreicht werden konnte. So trifft die morgens und abends tief stehende Sonne an der West- und Ostfassade optimal auf die gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV). Da die Module in einem Winkel von 142 Grad zueinanderstehen, erhöht sich die aktive PV-Fläche nochmals um sieben Prozent.
750 PV-Module erzeugen auf einer Fläche von 850 Quadratmetern eine Gesamtleistung von rund 145 kWp. Mehr noch: Die rahmenlosen, matten Modulplatten ragen aus der Fassade heraus und lassen sie optisch kürzer und zugleich lebendiger erscheinen.
Die gedämmte Ebene der Doppelfassade besteht aus dem Glas-Faltwandsystem Highline, die äußere aus Schiebe-Dreh-Elementen Proline T, kombiniert mit der Ganzglas-Brüstung SL Plus.
Als architektonische Besonderheit ist die Gebäudehülle im Bereich der Bürolandschaft als Doppelfassadeausgebildet, die eine individuelle und manuelle Steuerung des Raumklimas ermöglicht.
Die äußere, ungedämmte und die innere, hoch wärmegedämmte Glasebene bilden einen begehbaren Fassadenkorridor. Sind beide Ebenen vollständig geschlossen bieten sie höchste Wärmedämmung. Gleichzeitig wirkt diese Hülle als Solar-Luft-Kollektor. Architekt Peter Kuczia über das von Solarlux entwickelte Konzept: „Je nach Witterung können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Glas-Faltwände im Inneren auffalten und die vorgewärmte Frischluft in ihre Arbeitsräume strömen lassen. Das ist vor allem an kälteren Tagen von Vorteil. Bei hohen Außentemperaturen werden nur die äußeren Schiebe-Dreh-Elemente vollständig geöffnet. So wird ein Hitzestau vermieden.“
Der Neubau in Kaufbeuren zeigt, dass eine großflächig transparente Gebäudehülle auch energetisch funktioniert: Glas-Faltwände, das Maximal-Schiebefenster cero und Ganzglas-Schiebe-Dreh-Elemente sowie Pfosten-Riegel-Fassaden aus Holz-Aluminium bringen viel Tageslicht und frische Luft ins Innere, ohne die Räume aufzuheizen. „Es ist nur eine Frage der Konstruktion, der Baustoffe und der richtigen Produkte“, sagt Peter Kuczia.
Sind die sechs Elemente der Glas-Faltwand Megaline vollständig aufgefaltet, bieten sie einen nahtlosen und barrierefreien Übergang von der Ausstellungshalle zu den Exponaten im Freien.
Die Themen Transparenz und Offenheit spielten auch in der großen Ausstellungshalle eine wesentliche Rolle. Architekt Peter Kuczia: „Das Glas-Faltwand-System Megaline, das auf der Südseite in die Pfosten-Riegel-Fassade integriert wurde, bietet den Besuchern einen großzügigen Übergang zu den Exponaten im Außenbereich. Die einzelnen Faltelemente des sechsteiligen Systems sind beeindruckende 4,90 m hoch und 1 m breit. Trotzdem lassen sie sich leicht öffnen und schließen.“
Die faltBAR lässt sich mit raumhohen Glas-Faltwänden vollständig öffnen. Sie ist kommunikativer Treffpunkt der Mitarbeitenden und erster Anlaufpunkt für Gäste.
Als offene und moderne Bürolandschaft konzipiert, bietet der Neubau auf zwei Etagen rund 40 ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze mit sehr guter Akustik, natürlicher Belüftung und viel Tageslicht. Hinzu kommen Rückzugs- und Kommunikationszonen sowie eine Cafeteria im Erdgeschoss, die sowohl Treffpunkt für die Mitarbeitenden als auch erste Anlaufstelle für Gäste ist.
Projekt: LINARA Kaufbeuren GmbH
Standort: Bavariaring 22, 87600 Kaufbeuren
Bauherr: Holtgreife Immobilien GmbH
Entwurf: Architekt Dr. Peter Kuczia
Generalplanung: Dobler GmbH & Co. KG Bauunternehmung, Kaufbeuren
Photovoltaik: 750 gebäudeintegrierte PV-Module zur Stromversorgung auf 850 m² Fassadenfläche,Gesamtleistung: ca. 145 kWp
Gebäudetechnik: Betonkernaktivierung und Heiz-/Kühldecken in Verbindung mit regenerativen Energiesystemen (Geothermie, Wärmepumpe)
Dachbegrünung: 500 m²