Glas-Faltwand Raphaels Refugium

Copyright Bilder: Stefan Leitner

Wenn die Faltelemente geöffnet sind, haben sie den visuellen Effekt eines Sektionaltors. Sie verschwinden vollständig aus dem Blick und lassen den Innenraum nahtlos in den Außenbereich übergehen.“
Mark Jenewein, Partner bei LOVE Architecture
Glas-Faltwand Raphaels Refugium
Glas-Faltwand Raphaels Refugium
About love

Kurz gesagt: Wir machen das, was wir tun, extrem gerne. Darum heißen wir auch so, wie wir heißen. Unser Name ist Repräsentant für unsere Passion an der Architektur – im Allgemeinen wie im Speziellen. Wenn wir arbeiten, so tun wir dies mit höchstem Gestaltungsanspruch, suchen nach den punktgenauen Lösungen für die spezielle Aufgabe. Uns beschäftigen die Rahmenbedingungen, ebenso wie die beteiligten Menschen. Dabei sind wir präzise, pragmatisch und sachlich, gleichzeitig aber auch voller Enthusiasmus und Leidenschaft für die gestellte Aufgabe. LOVE architecture and urbanism wurde 1998 von einer Gruppe von Architekten gegründet, deren Arbeitsfelder die Bereiche Architektur, Städtebau, Interiordesign sowie Projektentwicklung umfassen.

V. l. n. r: Herwig Kleinhapl, Bernhard Schönherr, Mark Jenewein

Raum als Kunstform

Ein junger Kunsthändler hat sich in der Grazer Altstadt den Traum vom offenen Wohnen erfüllt. In „Raphaels Refugium“ mit Blick über die Dächer des UNESCO-Welterbes sucht man klassische Wände vergeblich. Das außergewöhnliche Loft entfaltet sich in alle Richtungen – von links nach rechts, von unten nach oben und sogar von innen nach außen. Möglich wurde dies durch das fließende Gestaltungskonzept des Grazer Architekturbüros LOVE Architecture und einen Bauherrn, der keine Scheu vor räumlicher Weite und gestalterischer Freiheit hat.

Ein raumhoher Vorhang schafft bei Bedarf Rückzugsorte und trägt zugleich zu einer angenehmen Raumakustik bei.

Wohnung und Kunstgalerie in einem

Der Kreativität freien Lauf lassen – dieses Lebensgefühl begleitet den jungen Kunsthändler in seinem neuen Zuhause ohne Wände durch den Alltag. Sein neues „Refugium“ ist Wohnung und Kunstgalerie in einem. Freistehende, skulptural anmutende Möbelstücke mit hohem ästhetischen Anspruch strukturieren den teilweise zweistöckigen Raum mit eingezogener Galerie. Sie erinnern eher an Kunstwerke in einer Galerie als an funktionale Alltagsgegenstände. Einzig ein schwerer Vorhang, der sich in Wellen durch das Loft windet, schafft bei Bedarf private Zonen. Er fungiert nicht nur als Sichtschutz, sondern unterstützt vor allem die Raumakustik.

Das offene Einraumkonzept entstand aus den räumlichen Gegebenheiten des Bestands, die LOVE Architecture bewusst weiterentwickelte, da jede Unterteilung den gewünschten Loftcharakter geschwächt hätte. Die 224 m² große Wohnung befindet sich in der obersten Etage eines erweiterten Altbaus im Grazer Stadtzentrum. 2018 wurde das historische Gebäude im Zuge einer Sanierung in Holzbauweise aufgestockt.

Glas-Faltwand Raphaels Refugium
Glas-Faltwand Raphaels Refugium
Vom Büro zum Refugium

Das heutige Refugium wurde vor dem Umbau als Büro genutzt. Die baulichen Eingriffe im Rahmen der Umnutzung beschränkten sich auf ein Minimum: „Wir haben nur den Boden ausgetauscht und die Wände frisch gestrichen“, erinnert sich Mark Jenewein, Partner bei LOVE Architecture. Die Galerie und der frei im Raum positionierte Treppenlauf sowie der große Balkon vor der 6,30 Meter breiten, sechs Meter hohen Glasfront mit Nordausrichtung waren bereits vorhanden.

Das Konzept des fließenden Raums wurde nach außen weitergeführt.

Glas-Faltwand Raphaels Refugium
Glas-Faltwand Raphaels Refugium
Möblierung als Kunst

Es gibt keine festen Einbauten, alles wurde bewusst offen gestaltet. Der Raum wird allein durch freistehende Designobjekte in unterschiedliche Nutzungszonen gegliedert. Dazu zählen eine Edelstahlküche, die kathedralenartig bis zur Decke aufragt, sowie ein massiver Küchenblock, über dem handgefertigte Glasleuchten wie Seifenblasen schweben. Ein von allen Seiten zugängliches Sofa unterstreicht die Idee eines fließenden, richtungslosen Raums. Im rückwärtigen Bereich des Lofts lassen sich Badewanne und Doppelwaschbecken durch den raumhohen Vorhang bei Bedarf abschirmen.

Die bestehende Pfosten-Riegel-Fassade
öffnet sich mit zwei Glas-Faltwänden.

Sind die Glas-Faltwände geschlossen, sorgen 1,30 m breite Glaselemente und schlanke Profile für einen hohen Außenbezug.

Fließender Übergang zwischen Innen und Außen

Um das Konzept des offenen Raums bis in den Außenbereich fortzusetzen, wurde die bestehende Pfosten-Riegel-Fassade unter Berücksichtigung der statischen Rahmenbedingungen des Bestands umgebaut und mit zwei Glas-Faltwänden von Solarlux großflächig geöffnet. „Unser Ziel war es, das Loft so grenzenlos und offen wie möglich zu gestalten”, erklärt er. „An warmen Tagen sollte ein einziger, durchgehender Raum entstehen, an kühleren galt es, die Sichtbeziehungen optimal zu erhalten.“

Glas-Faltwände boten dafür die passende Lösung: Anders als klassische Schiebetüren lassen sich ihre Elemente zu einem schmalen Glaspaket vollständig zur Seite falten und schaffen so einen nahtlosen Übergang. Dieser Effekt wird durch einen Mikrozementboden verstärkt, der sich über sämtliche Flächen hinwegzieht. Die Faltanlagen „parken“ in Graz platzsparend auf dem Balkon.

Die einzelnen Glaselemente der Faltwände sollten bis zu 1,30 Meter breit sein und gleichzeitig filigran wirken, weshalb das System Megaline von Solarlux gewählt wurde. Es ermöglicht Elementhöhen bis 4,5 Meter oder Breiten bis 1,5 Meter, ohne Abstriche bei Leichtgängigkeit und Bedienkomfort. Trotz dieser Dimensionen beträgt die Ansichtsbreite im Flügelstoß lediglich 132,5 Millimeter. Als Bodenschiene kam eine barrierefreie Variante mit 14 Millimeter Anschlag mit zusätzlichem Trittschutz aus Aluminium zum Einsatz.

Die Glas-Faltwand wird nach dem Ziehharmonika-Prinzip geöffnet und raumsparend auf dem Balkon geparkt.

Mut zur Offenheit als Gestaltungshaltung

Manchmal braucht es einen mutigen Bauherrn, um architektonische Ideen bis ins Detail konsequent umzusetzen. Einen solchen fanden LOVE Architecture in dem jungen Kunsthändler. Das in alle Richtungen offene Raumkonzept entsteht durch den bewussten Verzicht auf starre Begrenzungen, wie Wände, Decken, Bodenbeläge oder Nutzungszonen. Selbst das Grünbeet setzt sich durch die Glasfassade hindurch auf dem Balkon fort. Die großzügig dimensionierten Glas-Faltwände betonen den fließenden Übergang zwischen Wohnraum und Terrasse und machen die Idee des offenen Wohnens räumlich spürbar.

Glas-Faltwand Raphaels Refugium
Glas-Faltwand Raphaels Refugium
Bautafel

Projekt: Umbau eines Büros in eine Loft-Wohnung
Ort: Graz (A)
Architektur + Innenarchitektur: LOVE architecture and urbanism ZT GmbH, Graz
Bauherr: Privat
Wohnfläche: 224 m²
Verbaute Produkte: Glas-Faltwand-System Megaline

Zeichnungen
Glas-Faltwand Raphaels Refugium

Grundriss Loft, Copyright: LOVE architecture

Technik auf einen Blick
Widerstandsfähigkeit bei Windlast
Widerstandsfähigkeit bei Windlast
Widerstandsfähigkeit
B4
Coefficient de transmission thermique
Coefficient de transmission thermique
Wärmedurchgangskoeffizient
Uw ≥ 0,9 W/m²K
Perméabilité à l’air
Perméabilité à l’air
Luftdurchlässigkeit
3
Durabilité
Durabilité
Dauerfunktion
2
Schlagregendichtheit
Schlagregendichtheit
Schlagregendichtheit
Bis 7A

Glas-Faltwand

Die Möglichkeiten einer Glas-Faltwand sind beinahe unbegrenzt. Sie leistet, was kein anderes bodentiefes Fenster bietet: Großzügige Glasfronten, die sich zu fast 100 % öffnen lassen und im geschlossenen Zustand maximalen Schutz bieten. Denn anders als bei der klassischen Schiebetür lassen sich die einzelnen Elemente der Glas-Faltwand zu einem schmalen Flügelpaket komplett zur Seite falten. Diese Fähigkeit qualifiziert die Glas-Faltwand auch für eine flexible Innenraum-Organisation in sämtlichen Gebäudetypen, wie z. B. Raumerweiterungen in Büros, im Handel und in der Gastronomie sowie in Schulen. Ihre grenzenlose Kombinierbarkeit sowie beste Dämmwerte machen sie darüber hinaus zu einer effizienten Fassadenlösung in der Ertüchtigung von Balkonen und Loggien.

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