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Alltäglich? Wohl kaum. Agatha Walczak-Typke und Rainer Typke leben in einer ehemaligen Kirche. Die beiden haben viel Liebe zum Detail bewiesen, um den besonderen Charakter des Gebäudes zu bewahren und sich dabei ein unvergleichliches Zuhause zu schaffen. Ein Highlight: die fantastischen, als Glas-Faltwände angelegten Fenster.
Ein ehemaliges Gefängnis, eine alte Industriehalle, eine nicht mehr genutzte Kirche: Das Ehepaar hatte sich viel Zeit genommen, um verschiedene Immobilien zu begutachten. Denn eines stand von vornherein fest: Es musste etwas ganz besonderes, unverwechselbares sein. „Schon immer habe ich davon geträumt, auch selbst einmal ein spezielles Gebäude umzubauen und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Ganz bewusst haben wir uns auf die Suche nach einem außergewöhnlichen Ort zum Leben gemacht“, sagt die Bauherrin im Rückblick. In welcher Region Deutschlands, das spielte keine Rolle. Das Gebäude sollte einfach begeistern – und sich in der Nähe eines Flughafens befinden. Denn er arbeitet in Luxemburg, sie in Wien, und beide sind beruflich in der ganzen Welt unterwegs. „Unser Zuhause sollte deshalb ein Ort zum Erholen sein und uns gleichzeitig immer wieder faszinieren.“
Eine ehemalige Kirche in Hasbergen bei Osnabrück erfüllte alle Kriterien –vor allem den Wunsch nach Exklusivität. Das spitze Giebeldach und die längliche Form des Gebäudes lassen gleich erahnen, welchen Zweck das Gebäude einst erfüllt hat. „Meine Frau und ich sahen sofort die vielen Möglichkeiten, die in diesem besonderen Gebäude stecken“, erzählt Rainer Typke.
Sämtliche Renovierungsmaßnahmen haben die beiden selbst geplant. So auch die auffälligen Spitzbögen mit den hohen, hellen und bunten Fenstern. Das war in der Umsetzung kein leichtes Unterfangen. Wichtig war den Bauherren, ein Glas zu verwenden, wie es in Kirchen zum Einsatz kommt – so genanntes Kathedralglas. Ein lokaler Hersteller konnte es liefern. Die schmale, ungewöhnliche Form passgenau umzusetzen, war die nächste Herausforderung – zumal die H-förmigen Sprossen der einzelnen kleinen Scheiben originalgetreu aus Blei anstatt aus Holz oder Aluminium sein sollten. Doch damit nicht genug: Gewünscht waren darüber hinaus Glas-Faltwände. Die unteren Teile der Fenster bestehen aus drei jeweils rund 2,7 Meter hohen Glaselementen. Sie lassen sich zusammenfalten und geben dann die Terrasse frei.
Alle Wünsche hat der Glasfassaden-Spezialist Solarlux aus dem niedersächsischen Melle gekonnt unter einen Hut bekommen. Das ehemalige Hauptschiff der Kirche, in dem früher die Gottesdienste gehalten wurden, hat sich in einen Wohn- und Essbereich mit einem einmaligen Flair verwandelt.
Die Glas-Faltwände mögen fertig sein, die Arbeiten an dem Haus als Ganzes sind es noch nicht. Aber genau das gefällt dem Ehepaar an seinem speziellen Zuhause. Und die beiden haben noch so einiges damit vor, versichert Rainer Typke: „So oft es geht, planen und werkeln wir weiter an unserer Kirche. Für uns ist das Urlaub pur – das Arbeiten an unserem Traum vom Leben in besonderer Atmosphäre.“