Architektur im Foyer 2021 - Tag 2
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Tag 2: EinBlicke

Nachdem am Donnerstag besonders der internationale Award ein globales Netz an innovativen Ideen und Projekten aufspannte, kamen am Freitag Vertreter*innen aus Europas führenden Architekturbüros zu Wort. Moderiert von Prof. Jan R. Krause erweiterten sie die unterschiedlichen architektonischen Perspektiven vom Vortag um ihre eigene Haltung.

Much Untertrifaller, Referent bei architektur im foyer 2021

Much Untertrifaller von dem Vorarlberger Büro Dietrich I Untertrifaller Architekten knüpfte da an, wo am Abend vorher aufgehört wurde – bei den bildenden Bauten. Frisch ausgezeichnet mit dem Design Educates Award 2021 – Solarlux Choice für die vielbeachtete Bücherei in Dornbirn, konzentrierte er sich in seinem Werkbericht auf Schulbauten. An Beispielen aus seinem Büro verdeutlichte er, wie die Auseinandersetzung des Teams mit der Bauaufgabe die architektonische Qualität des fertigen Gebäudes deutlich steigern kann. Das Ergebnis ist eine Architektur, die nicht nur eine positive Lernumgebung für die Kinder bietet, sondern ihnen ganz nebenbei etwas über Architektur erzählt.

Jette Cathrin Hopp, Referentin bei architektur im foyer 2021

Sven Thorissen von MVRDV legte den Fokus auf die Stadt von morgen. Er skizzierte, wie lebenswerte (Innen)Städte gestaltet sein sollten. Städte brauchen eine andere Mobilität, mehr Grün – und noch mehr Grün. Sie müssen Spaß machen und Antworten auf geänderte Rahmenbedingungen geben. MVRDV schlägt dazu einen neuen Ansatz in der Stadtplanung vor: Weg von der Blaupause für ein fertiges Gebiet hin zu einem gestalteten Prozess des kontinuierlichen Wandels.

Als letzte Rednerin legte Jette Cathrin Hopp den Fokus weniger auf die Projekte als auf ihren Entstehungsprozess. Das international tätige Büro Snøhetta richtet zu Beginn jedes Projektes Workshops mit allen Beteiligten aus, um die Essenz der Aufgabe als Sprungbrett für die Konzeption zu erarbeiten. Dabei stützt sich die Zusammenarbeit auf wesentliche skandinavische Werte: Großzügigkeit und Offenheit – bei der Teamarbeit, in der Zusammenarbeit mit Bauherren und Fachhandwerker*innen sowie als Teilhabe der Gesellschaft an der Architektur.

„Architektur ist ein soziales Instrument.“
Jette Cathrin Hopp, Snøhetta

Nachhaltigkeit als verbindende Mission

Trotz aller Unterschiede in der architektonischen Haltung und Herangehensweise verbindet die Vortragenden beider Tage ein großes Verantwortungsbewusstsein. Natürlich für die Umwelt – die hohen Klimapotenziale im Bausektor sind noch nicht gehoben – aber auch für die Gesellschaft.

Architektur im Foyer 2021

So machte Michael Rollmann von pedevilla Architects deutlich, dass durch den respektvollen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz beim Umbau des Wirtshauses Decantei nicht nur ein bedeutender Stadtbaustein erhalten blieb, sondern ein neuer geschätzter Treffpunkt für die Menschen im Ort geschaffen wurde. Für die Designerin Walda Verbaenen ist der Wunsch, Menschen über Kommunikation miteinander zu verbinden, der entscheidende Antrieb. Und die Geschichte des Guga S’Thebe Theatre beweist eindrücklich, welche konstruktive Energie eine Gemeinschaft freisetzen kann.

Sven Thorissen, Referent bei architektur im foyer 2021

Auch an Tag zwei zog sich der Begriff der sozialen Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch die Vorträge. Dem ansonsten in sich ruhenden Much Untertrifaller war die stille Freude darüber anzumerken, dass es seinem Büro gelungen ist, Räume für spielerisches Interaktion und freies Lernen in das klassische Raumprogramm einer Grundschule zu „schmuggeln“. Bei Sven Thorissen kommt die Relevanz direkter rüber. Besonders die gezeigten Wohnprojekte weisen unterschiedliche Freiräume im Gebäude auf, für die Bewohnende Verantwortung übernehmen. Und auch für Jette Hopp gehört die Aneignung des Gebäudes durch die Öffentlichkeit zu vielen Projekten dazu. Vorbild ist das skandinavische Jedermannsrecht.

Neue Ideen + neue Kontakte beim Live-Event vor Ort

Den Gästen, die sich an den beiden Tagen in dem modernen und lichtdurchfluteten Foyer des Solarlux Campus trafen, war die Freude über die Qualität des Live-Events deutlich anzumerken: „Endlich geht so etwas wieder.“ Dazu trug neben den tollen Vorträgen auch die Möglichkeit zum Austausch bei Catering und Livemusik bei.

Eine Architektin aus dem Schleswig-Holsteinischen Bad Oldesloe erzählte: „Ich habe letztes Jahr online teilgenommen und wollte dieses Jahr gerne live dabei sein. Die Anreise hat sich wirklich gelohnt.“ Ein Architekt aus Kassel ergänzt: „Die Veranstaltung ist wie kleiner Kreativurlaub. Er öffnet Gedankenräume, die im Alltag oft verschlossen bleiben.“ Auch er ist zum wiederholten Mal dabei. Doch auch Newcomer sind begeistert. Eine Masterstudentin aus Bochum lobt: „Die Qualität der Vorträge geht weit über die Werkberichte hinaus, die wir an der Hochschule erleben.“

Nicht zuletzt durch den Erfolg motiviert, steht die Planung für 2022 bereits. Nächstes Jahr findet das Veranstaltungshighlight architektur im foyer am 22. und 23. September statt.

„Thank you for organizing this fantastic event, And for your warm welcome. You are an incredibly warm company.“
Walda Verbaenen, Designerin
„Es hat abgesehen von den spannenden Vorträgen und einigen bemerkenswerten Preisträgern mal wieder richtig gut getan, so viele interessante Menschen zu treffen und sich auszutauschen. Hab mich sehr wohlgefühlt bei euch.“
Michael Rollmann, pedevilla Architects
„Hat Spaß gemacht bei Euch!“
Jette Cathrin Hopp, Snøhetta